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9 BÄLLE

Aubinger „Dream-Team“ im Trainingslager in Teisendorf


Als einziger Sportverein Münchens unterhält der SV Aubing eine Integrationsmannschaft, in der von der Natur ein klein wenig benachteiligte Kinder ihren Sport ausüben. Im Klartext heißt das, die 9 Jungs jagen jeden Sonntagvormittag am Aubinger Sportgelände dem Ball nach. Im Dezember 2011 gewann die Mannschaft, den mit einem gewaltigen Preisgeld dotierten Sportinklusionspreis der Landeshauptstadt. Ein Teil des Geldes wurde nun dazu verwendet, ein „Trainingslager“ in Teisendorf abzuhalten. Mit an Bord waren neben den begeisterten Nachwuchskickern natürlich auch deren Familien.


Die Aufregung auf die bevorstehende Reise sorgte für reichlich Aufregung in manch teilnehmenden Haushalt. So musste die Tasche bereits am Donnerstag fertig gepackt werden, nur damit man am Freitag sofort nach Schulschluss losfahren konnte. Am Freitagnachmittag trudelte man dann zu unterschiedlichen Uhrzeiten im „Haus Chiemgau“ in Teisendorf ein. Schon vor dem Abendessen liefen die Jungs dem Ball hinterher, begutachteten neugierig die diversen Spielangebote im Keller des Hauses und bereiteten sich seelisch und moralisch auf das Viertelfinalspiel der deutschen Mannschaft gegen Griechenland vor. „Public Viewing“ war angesagt. Mit ausreichend Fanmaterial, Chips, kühlen Getränken und Fußballfachverstand verfolgte man das Weiterkommen der DFB-Elf. Das förderte natürlich die Stimmung und am hauseigenen Kicker wurde die Partie noch einmal heiß diskutiert. Es war nicht ganz einfach die Buben um Mitternacht davon zu überzeugen, ins Bett zu gehen. Irgendwann gelang es dann doch. Es wurde aber eine kurze Nacht. Schon um 7.30 Uhr standen die ersten, allen voran Julian mit Ball, in voller Trainingsmontur vor dem Frühstücksbüffet. Der Vormittag wurde mit Fußball spielen, Trampolin hüpfen und auf dem Beach-Volleyballfeld verbracht. Die Jungs zeigten sich auch auf dem für sie fremden Terrain geschickt. Tom zog beim Volleyball mit den Eltern beinahe jeden Ball magisch an und degradierte seine Mitspieler dabei zu Statisten. Das Mittagessen stellte nur eine kurze Erholungspause dar. Für den Nachmittag war schließlich ein Freundschaftsspiel gegen die ebenfalls anwesende Integrationsmannschaft aus Gröbenzell geplant. Zudem wollten die Buben noch gegen ihre Väter antreten und auch die Damen hatten vor, ihre Männer auf dem Fußballplatz zu besiegen. Das Spiel gegen Gröbenzell hatten die Grün-Weißen gut im Griff, führten zur Pause mit 2:0. Stefan hatte dabei eine traumhafte Kombination zum 2:0 abgeschlossen. Nach der Halbzeit ließ man es ein klein wenig ruhiger angehen, gönnte dem Gegner noch drei Treffer und schoss nur mehr ein Mal ins Tor der Gröbenzeller. So trennte man sich – sehr zur Freude des Spielpartners, der sonst immer den Kürzeren gegen die Aubinger zieht – schiedlich friedlich mit 3:3. Beim anschließenden Elfmeterschießen versagten den Grün-Weißen dann die Nerven ein klein wenig. Aber das ist bekanntlich schon anderen Teams passiert. Die Partie der Mütter gegen die Väter verlief relativ einseitig, da die Damen das Tor der Männer regelrecht belagerten. So geriet die Partie zum Eckenfestival. Einen Konterangriff konnten die Herren der Zunft dann zur 1:0 Führung nutzen. Monika Ahrens schaffte dann den Ausgleich. Daniela Palme traf, unter gütiger Mithilfe von Inge Pechter, dann sogar zum 2:1. Mit einer Energieleistung konnten die Männer erneut ausgleichen und die Schmach schien abgewendet. Die Frauen ließen aber nicht nach und trafen aus dem Gewühl heraus schließlich zum 3:2 Endstand. Die Väter waren nach dieser Partie so ausgepowert, dass auch das folgende Spiel gegen die Söhne deutlich verloren wurde. Nach dieser Kraftanstrengung freuten sich alle auf eine frische Dusche und ein gutes Abendessen. Die Kinder hatten dafür freilich wenig Zeit, schlangen schnell ein paar Bissen hinunter und wuselten wieder los. Das Viertelfinalspiel Spanien – Frankreich interessierte nur mehr am Rande. Sie hatten nun Wichtigeres zu tun und legten dabei eine immense Laufleistung an den Tag. Ständig ging es rauf und runter. So war es kein Wunder, dass die letzten „Helden“ weit nach Mitternacht ins Land der Träume schlummerten.
Das tat der Tatsache aber keinen Abbruch, dass die ersten schon wieder früh am Büffet gesichtet wurden. Der Energieverlust vom Samstag konnte aber nicht mehr aufgeholt werden. So geriet das kurzfristig abgesprochenen Fußball spielen zum Standkonzert. Beim Beach-Volleyball versuchten sich Groß und Klein ebenfalls vergeblich, so dass man sich auf ruhigere Gefilde beschränkte. Die Jugend trieb sich im Haus und dem Gelände herum und die Erwachsenen genossen Sonne und Kaffeespezialitäten auf der Terrasse. Nach dem Mittagessen ging es dann, bereichert um wunderschöne Erlebnisse im Gepäck, zurück nach München. Trainer „Burle“ Ahrens hatte mit der Auswahl von Ort und Quartier alles richtig gemacht und mit der Buchung von „Haus Chiemgau“ einen Volltreffer gelandet.
So werden sich alle Beteiligten, nicht nur die Mannschaft, bestimmt gerne an die Tage im Chiemgau erinnern, die von einer unbeschreiblichen Harmonie getragen wurden. Es gab keinerlei Streit unterm Nachwuchs, weil in dieser Mannschaft jeder so sein darf, wie er eben ist. Das „Dream-Team“ umgibt auch im dritten Jahr ihres Bestehens immer noch dieser besonderen Geist, der einen nicht mehr los lässt, wenn man ihn ein Mal erleben durfte. Im nächsten Jahr gehen die Grün-Weißen wieder auf Reisen. Wohin? Natürlich nach Teisendorf. Warum? Ist schnell erklärt, weil es einfach unglaublich schön war.